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Lutz Friedel, Biografie

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LUTZ FRIEDEL  im museum FLUXUS+
(*1948 in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin/Schönholz)

Aus seiner Sammlung präsentiert das museum FLUXUS+ in seiner Dauerausstellung Arbeiten des im Land Brandenburg lebenden Künstlers Lutz Friedel. Der Maler, Grafiker und Bildhauer wurde 1948 in Leipzig geboren. Er studierte Malerei in Dresden und Leipzig und zog 1977 nach Berlin um das Meisterstudium bei Bernhard Heisig aufzunehmen. Mitte der 1980er Jahre reiste Friedel aus der DDR aus. Nach Stationen in Frankfurt a.M. und Berlin Kreuzberg hat er sein Atelier heute im Havelland.

Nachdem in den vergangenen 12 Jahren einzelne Werkgruppen des Künstlers gezeigt wurden, bietet die aktuelle Präsentation einen Querschnitt aus 40 Jahren künstlerischer Produktion. Dadurch bekommen die Besucher_innen einen Überblick über die Entwicklung der verschiedensten künstlerischen Techniken und Kernthemen. Eine Auswahl aus der Korrespondenz des Künstlers mit dem Sammler Heinrich Liman dokumentiert deren Beziehung, in der sie sich immer wieder inhaltlich, über den Zustand der Welt und universelle Themen des Lebens austauschten.

Das Themenspektrum des klassisch ausgebildeten Malers reicht von Landschaftsstudien über Stillleben bis hin zu Porträts. So befinden sich im ersten Teil des Ausstellungsbereiches Landschaften und Genrebilder, die in den Jahren vor der Maueröffnung das Spannungsfeld zwischen Figürlichkeit und Abstraktion, aber auch zwischen dem Maler, dem Grafiker und Bildhauer Friedel deutlich werden lassen.

Ein Motiv, welches sich durch diese Werkphase zieht, ist das Bildnis des „Hofzwerges“ von Diego Velázquez, welches dieser 1645 von Sebastián de Morra, einem Mitglied des Hofstaates des spanischen Königs Philipp IV. malte. Es taucht zunächst in dem Gemälde Drei Kasperlepuppen (1982) auf, in welchem drei Figuren liegend und sitzend zu sehen sind. Die kryptische Interaktion der drei Figuren ist eine Anspielung auf die Heimlichkeiten im Überwachungsstaat der DDR. Ein weiteres Mal finden wir den Hofzwerg in Anlehnung an Velázquez’ Darstellung vor einem dunklen Hintergrund sitzend. Der Titel der Grafik Selbst als Sebastián de Morra (1985) erzählt von einer Identifikation des Künstlers mit der Figur des Hofnarren. Vollends abstrahiert ist das Motiv in dem Gemälde Spanischer Zwerg (1990). Die pastosen Pinselstriche lösen das Motiv des „Spaßmachers“ bis zur Unkenntlichkeit auf, wobei die Komposition eines Porträts deutlich bleibt.  

Während Motive aus Friedels Gedankenwelt durch die unterschiedlichen künstlerischen Techniken wandeln, ziehen sich ganze Themenkomplexe wie der Tod oder das Sein durch ganze Serien, die Friedel beständig fortschreibt. So entstammen die Gemälde Der Tod und der Bildhauer (2009), Reiterspiele (2011) und Nächtliche Allee (Der Tod und der Autofahrer), dem Zyklus „Et in Arcadia Ego“, benannt nach der Inschrift im Hirtenbild des Renaissancemalers Guercino (Giovanni Francesco Barbieri, 1591 – 1666). Sie verweist auf die Vergänglichkeit allen Lebens, auch des Lebens unter den idealen Bedingungen eines Goldenen Zeitalters.

Friedel befasst sich mit den wechselnden Identitäten und unterschiedlichen Rollen des Künstlers in seiner persönlichen Entwicklung, wie in der Gesellschaft. Die Plakatübermalungen 103 Möglichkeiten die Zeit tot zu schlagen. Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003 (2003), die Serie von Ketzer (2003 – 2004) und auch das Bild Nächtliches Atelier (2011) spiegeln die unterschiedlichsten Facetten eines Menschen wider, die je nach Lebenslage oder Prägung aufscheinen können. Mal gut, mal böse, mal herausfordernd, mal sich wiederfindend im Kanon der Kunstgeschichte.

Eine eingehende Beschäftigung mit dem Künstler und Mensch Max Klinger (1857 – 1920) zeigt sich in der Serie mensch!KLINGER, welche Friedel 2018 unter anderem im museum FLUXUS+ präsentierte. Die Radierung von 2018 entstand in Klingers ehemaligem Atelier in Großjena, welches Friedel von Zeit zu Zeit für Arbeitsaufenthalte nutzt. Das Bild Weinberghäuschen Max Klinger im Sommer (2017) zeigt das Atelierhaus, umgeben von Weinbergen an der Saale.


English

For the hearing impaired

LUTZ FRIEDEL  (*1948 in Leipzig, lives and works in Berlin/Schönholz)

From its collection, museum FLUXUS+ presents works by the artist Lutz Friedel in its permanent exhibition. The painter, graphic artist and sculptor was born in Leipzig in 1948. He studied painting in Dresden and Leipzig and moved to Berlin in 1977 to take up master classes with Bernhard Heisig. Friedel left the GDR in the mid-1980s. After stations in Frankfurt am Main and Berlin Kreuzberg, he now has his studio in the Havelland region in Brandenburg.

After exhibiting individual complexes of the artist's works over the past 12 years, the current presentation offers a cross-section of 40 years production. The visitor thus gets an overview of the development of the many different artistic techniques and core themes. A selection from the artist's correspondence with the collector Heinrich Liman documents their relationship, in which they frequently exchanged views on the state of the world and universal topics of life.

The classically trained painter's spectrum of subjects ranges from landscape studies to still lifes and portraits. In the first part of the exhibition, there are landscapes and genre paintings that reveal the tension between figurativeness and abstraction in the years before the opening of the Berlin Wall.

A motif that runs through this phase of his work is the portrait of the "Court Dwarf" by Diego Velázquez, which the latter painted in 1645 of Sebastián de Morra, a member of the court of the Spanish King Philip IV. It first appears in the painting "Drei Kasperlepuppen" (Three punch puppets, 1982), in which three figures can be seen lying and sitting. The cryptic interaction of the three figures is a reference to the secrecy in the surveillance state of the GDR. Another time we find the court dwarf sitting in front of a dark background, in reference to Velázquez's depiction. The title of the print "Selbst als Sebastián de Morra" (Self as Sebastián de Morra, 1985) tells of the artist's identification with the figure of the court jester. The motif is completely abstracted in the painting "Spanischer Zwerg“ (Spanish Dwarf, 1990). The impasto brushstrokes dissolve the motif of the "jester" beyond recognition, although the composition of a portrait remains clear.

While certain motifs from Friedel's world of thought run through his various artistic techniques, whole complexes of themes, such as death or existence, recur throughout entire series, which Friedel constantly updates. The paintings "Der Tod und der Bildhauer" (Death and the Sculptor, 2009), "Reiterspiele" (Equestrian Games, 2011) and "Nächtliche Allee (Der Tod und der Autofahrer)" (Nocturnal avenue, Death and the Motorist, 2011), for example, stem from the cycle "Et in Arcadia Ego", named after the inscription in the shepherd painting by the Renaissance painter Guercino (Giovanni Francesco Barbieri, 1591 - 1666). It refers to the fleeting nature of all life, including life under the ideal conditions of a Golden Age.

Friedel deals with the changing identities and different roles of the artist - in his personal development as well as in society. The poster overpaintings "103 Möglichkeiten die Zeit tot zu schlagen" ("103 Ways to kill time"), "Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003" ("My Self-Portraits between 1635 and 2003"), the series of "Ketzer" ("Heretic", 2003 - 2004) and also the painting "Nächtliches Atelier" ("Nocturnal Studio", 2011) reflect the most diverse facets of the human being, which can emerge depending on the situation in life or the person's imprint. Sometimes good, sometimes bad, sometimes challenging, sometimes finding themselves in the canon of art history.

The series mensch!KLINGER, which Friedel presented in 2018 at the museum FLUXUS+, among other venues, is an in-depth exploration of the artist and person Max Klinger (1857 - 1920). The etching from 2018 was created in Klinger's former studio in Großjena, which Friedel uses from time to time for working stays. The picture "Weinberghäuschen Max Klinger im Sommer" ("Vineyard cottage Max Klinger in summer", 2017) shows the studio house surrounded by vineyards by the river Saale.

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