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Aktuelle Ausstellung

Trotz der temporären Museumsschließung bieten wir die Möglichkeit einen Einblick in der Sonder­ausstellung COSTANTINO CIERVO: OUT – LOOK zu bekommen. Ab heute bis zum geplanten Ende der Ausstellung am 19.04.2020 werden wir Beiträge über die verschiedenen Aspekte veröffentlichen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der online bestellt werden kann. Die Texte der virtuellen Ausstellungsbilder sind diesem Katalog entnommen.

 

Hier erhalten Sie den Katalog zur Ausstellung COSTANTINO CIERVO: OUT-LOOK

Aus seiner Sammlung präsentiert das museum FLUXUS+ in dieser Sonderausstellung bislang nicht gezeigte Arbeiten des in Berlin lebenden Italieners Costantino Ciervo. Der Maler, Grafiker und Medienkünstler wurde in seiner Jugend vom politischen Klima in den 70er Jahren in Neapel geprägt, was vielleicht die Frage beantwortet, warum gesellschaftspolitische Themen für ihn so zentral sind. Zu Beginn der 1990er Jahre begann Ciervo mit technischen Apparaturen zu experimentieren und nahm an der Biennale von Venedig mit einer interaktiven Skulptur teil. Den Künstler treibt stets die Frage an, ob und wie in einer Welt voller Individualismus und Paradoxie Ausgleich und Harmonie geschaffen werden können.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von Ciervos Tätigkeit als Maler und Zeichner im Berlin der 1990er Jahre hin zu seinen aktuellen, technikbasierten Objekten. Die Zusammenschau dieser technisch/medial sehr unterschiedlichen Arbeiten zeigt die konstante Beschäftigung mit politischen, wie ästhetischen Fragestellungen.

SEND PROTEST!

Die Arbeit SendProtest (2016) besteht neben vorbereitenden Zeichnungen aus einer App für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS. Sie können entweder im app-store oder auf der Internetseite www.sendprotest.com herunterladen werden. Partizipation findet hier – wie bei kommerziellen virtuellen Angeboten – im Alltag statt, indem die Benutzer_innen gesellschaftliche Zuständen oder Proteste aus der realen Welt hochladen. Ein personalisierter Account, gekoppelt mit gps-Daten und ein an den Menschenrechten orientierter Algorithmus verhindert den Missbrauch von Userdaten und Plattform.

 

Farbzeichnungen Send Protest I und Send Protest II

Während Komposition und Farbgebung der Farbstiftzeichnungen Send Protest 1 und 2 aus der Fotografie bzw. der Kollage entlehnt zu sein scheinen, erinnern die akribisch schraffierten Flächen, konturierten Figuren und die Verwendung von Schrift an die Ästhetik von graphic novels. Jeden linearen Erzählstrang meidend, wendet Ciervo die bedeutungsperspektivische Darstellung an und setzt dadurch räumliche und zeitliche Kontinua außer Kraft. Ciervo überführt sein Thema in einen allegorischen Raum, um komplexe Zusammenhänge intuitiv erfassbar zu machen. Ein wesentliches Merkmal dieser Zeichnungen ist, dass das Malerische an ihnen im Dienste der Darstellung und nicht für sich selbst steht. Man kann die Zeichnungen als Konzentration auf jene Projekte ansehen, die Ciervo im Anschluss als Performances oder technische Objekte realisiert. Insofern stellen sie eine Art inhaltlichen Kern seiner Projekte vor, die sich stets darin auszeichnen, dass sie zugunsten einer auf Feedback-Schleifen beruhenden Komplexität auf eine lineare Narration verzichten.

Perversion of Signs

Eine Durchdringung des Virtuellen und des Faktischen thematisiert Ciervo auch in seiner Arbeit Perversion of Signs (2009). Mit Zuckerguss auf eine Glasscheibe gemalte, politisch aufgeladene Icons, wie etwa ein Stern, ein Panzer oder das Brandenburger Tor, werden von Bersucher_innen von der Scheibe geschleckt. Die Kamera ist auf die Mundpartie hinter der Scheibe gerichtet. Die Vermitteltheit von Zeichen, mit denen wir alltäglich leben wird in der konkreten Erfahrung des „Zuckerschleckens“ ironisch gebrochen.

Performance: Borders Are Boring and Nations Are Nuts

In der Performance Borders Are Boring and Nations Are Nuts (2016) werden die Grenzen nationalstaatlicher Identitäten symbolisch aufgelöst. Während zwei Sänger_innen auf einer Bühne stehend die Namen Europäischer Staaten intonieren, zerschneiden hinter ihnen mehrere Performer kreuz und quer gespannte, ihren Bewegungsraum einschränkende, Absperrbänder. Zum Schluss der Performance sind sie frei beweglich und verteilen die Suppe an das Publikum, die während der Performance gekocht wurde.

Am 17.01.2020 fand die Performance in T-Werk an der Schiffbauergasse statt. Hier finden Sie das Video zur Performance auf dem Youtube Kanal des Künstlers.

destroy linear time

Die Arbeit destroy linear time (2011) verbindet Performance- mit Objektkunst. Ciervo führte die Performance in Reggio Emilia/Italien und im museum FLUXUS+ durch. Auf 210 Platten sind sowohl Namen und Orte von Umwelt- und Gesellschafts­aktivisten, als auch Namen und Hauptsitze von börsenmotivierten Wirtschaftsunternehmen verzeichnet. Ciervo schleift mit einer Trennscheibe die Namen der Unternehmen und lässt die der Aktivisten stehen. Dabei entsteht der Schriftzug „TIME“. Die filmische Dokumentation wurde Teil des runden Spiegelobjektes. Um einen mittigen Bildschirm ist die rote Neon-Aufschrift „destroy linear time“ zu sehen. Während die Performance das Engagement der Aktivisten beschwor, spricht das Objekt durch die Spiegelung die Betrachter_innen an: Brich den Kreislauf und engagiere dich selbst!

Liberateli Tutti

Die Arbeit Liberateli Tutti (2012) besteht aus zwei Foto-Leuchtkästen. Beide Fotografien sind Reinszenierungen bekannter Presseaufnahmen aus dem Italien der späten 1970er Jahre. Es sind Aufnahmen von der Entführung des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro durch die Roten Brigaden. Ein Bild zeigt den Entführten mit einer Tageszeitung vor der Brust vor einer Wand mit dem Logo der linksextremistischen Terrorgruppe. Das zweite Bild zeigt die Entdeckung der Leiche des Politikers Moro im Kofferraum eines Autos. Es steht vor einem Gebäude und ist von Geheimdienstlern und Polizisten umstellt.

Ein auffälliger Unterschied zu den Originalaufnahmen ist, dass Ciervo sich selbst in die Bilder hinein montiert hat. In dem einen trägt er, mit unbekleidetem Oberkörper, ein Papier mit der Aufschrift „Liberateli Tutti“ („Befreit sie alle“) vor der Brust. In dem anderen ersetzt er die Leiche Moros durch sich selbst.

Warum identifiziert sich Ciervo mit einem Entführungsopfer der Roten Brigaden so sehr? Der Philosoph Giorgio Agamben beschreibt in seinem Buch „Homo sacer“, das bloße Leben als wesentliche Voraussetzung kultureller Selbstbestimmung. Die Nacktheit des Künstlers, als Zeichen für die Befreiung von jeder Form von Gewalt und Zwang, steht einer unfreien Gesellschaft gegenüber, deren Marktmechanismen und Sachzwän­gen verantwortlich für diesen Tod sind. „Befreit sie alle“ ist daher ein Appell an die Gesellschaft zur Befreiung ihrer kreativen Potenziale.

Grave Corporis

In Grave Corporis (2017) erkennen wir Ciervos konzentrierte Auseinandersetzung mit der künstlerischen Gattung der Skulptur. Die auf einem Spiegel stehende antike Briefwaage ruft die Theorie der 60er und 70er Jahre prägende Paradigma der „Erweiterung“ des Skulpturbegriffes durch das Ready-Made Marcel Duschamps. Das Thema Schwerkraft, einst vom US-amerikanischen Künstler Robert Morris als zentrale Kategorie der Skulptur identifiziert, wird sowohl durch die Waage als auch durch die animierte Feder auf dem Bildschirm thematisiert. Sie schwebt auf dem, auf der Waagschale angebrachten Bildschirm, zu Boden. Im Moment des Auftref­fens auf dem Boden, löst eine Drahtspule einen elektro-magnetischen Impuls aus, der die Waagschale des Messinstrumentes nach unten schnellen lässt. Der Leichtig­keit der Feder wird eine unerwartete Impulskraft zugeordnet. Die Realitätsebenen des Filmes und des konkreten Objektes der Waage treffen sich. Das so gewonnene Paradox kann als Kritik oder Kommentar zur gängigen Skulpturauf­fassung gelesen werden

OUT-LOOK

Als Namensgeber der Ausstellung ist der solide Korpus des Objektes OUT-LOOK (2018) aus Aluminium. Es erinnert den Betrachter an einen Info-Terminal, der durch den in Neonschrift angebrachten Titel der Arbeit sowohl an die Ästhetik der Werbung und an das alltäglich verwen­dete eMail-Programm erinnert. Die drei Bild­schirme zeigen Bilder aus Ciervos smartphone-app SendProtest (2016). Nutzer_innen stellen diese als gesellschafts-kritische Kommentare auf einem sozialen Netzwerk ein. Die Distanz zu den alltäglichen Informationen wird durch sich auf dem Bildschirm bewegende Avatare symbolisiert. Sie bewegen sich hin und her, schauen sich nicht an, begegnen und interagieren weder miteinander noch mit den Bildern. Nicht allein die Kritik an der uns umgebenden Informationsflut oder dem von ihr verursach­ten Gewöhnungseffekt angesichts der Krisen auf der Welt steht im Fokus. Die Kritik zielt vor allem auf eine durch den Konsum adaptierte soziale Plastik, deren interne Beziehungen durch die Intervention technologischer Filter immer unbewusster und entfremdeter zu werden scheinen.

Sew In The Sea I

Die Nähmaschine in Sew In The Sea I (Singer/Wittenberg) (2019) steht sowohl für eine häusliche, als auch industrielle Kultur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Es ist nicht nur eine Zeit der modernen, industriellen Entwicklung, sondern auch für die aufstrebende Kolonialmacht des deutschen Reiches. Heute antik anmutend, verweist das Objekt der Nähmaschine auf aktuelle postkoloniale Diskurse. Ciervo kombiniert es mit einem Tablett, auf dem in einem Animationsfilm die Daten von Schiffshavarien im Mittelmeer im Zuge der gefährlichen Migrationsbewegungen der letzten Jahre zu sehen sind. Auf eine Wasseroberfläche aufgenäht, versinken sie sodann langsam im tiefen Blau des Meeres. Die eingestickten Daten der Havarien, bei denen tauende Menschen ums Leben kamen, dokumentieren die Spätfolgen einer kolonialen Politik und werfen Fragen zur Geschichte von Industrialisierung und Nationalismus auf.

Hommage an Marcuse

In den 1990er Jahren entstand Ciervos Arbeit Hommage an Marcuse (1990/5). Den Auftakt für die Serie von Tuschezeichnun­gen auf altem Schreibmaschinenpapier macht der Zeitungsartikel: „Erinnerung an die Theorie. Ein deutscher Intellektueller ohne Positivi­tätsdrang: Herbert Marcuse“ (taz). Er berichtet von einer Tagung über den Philosophen Marcuse, der Vertreter einer postmarxistischen Theorie nach dem 2. Weltkrieg, 68er, Neulinker, Kritiker von Habermaß, usw. war. Zum Zeitpunkt der Tagung manifestierte sich die Krise der Neuen Linken in der entfesselten Transformation des Ostblocks. Kapitalismus schien über Sozialismus zu siegen. Die Möglichkeit einer Synthese beider Sys­teme schwand. Ciervos Arbeit wirkt wie die ästhetische Übung in utopischen Gedankenspielen. Kaligrafisch auf das Papier gelegte Zeichen in Schwarz und Rot bringen durch die Unschärfe ihrer Geworfenheit die Verhandlung einer Utopie zum Ausdruck. Hammer und Sichel, Marcuse und Marx, befinden sich ebenso in Bewegung, wie das Verhältnis zwischen Himmel und Erde, Figur und Grund, Inhalt und Form, Materie und Gedächtnis. Die Zeichen verweisen auf die Essentialität der zu Papier gebrachten „pensieri“ – Gedanken über eine Utopie, die „das Menschenrecht auf Glück im Zentrum aller politischen und sozialen Bemühungen“ setzt.

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