Manfred Leve
Manfred Leve, geboren 1936 in Trier, gehört zu den wenigen
Künstlerphotographen, die ihre Sujets ausschließlich in der
Gegenwartskunst selbst finden. Seine Lichtbilder von bildenden Künstlern
entstanden in der Regel im Dialog mit den Dargestellten. Die
Photographien von Gerhard Richter, Sigmar Polke, Nam June Paik, Blinky
Palermo und Joseph Beuys präsentieren jedoch nicht nur die
Künstlerfreunde, sondern zeugen zugleich von der wechselseitigen
Wertschätzung der jeweiligen künstlerischen Arbeit. Dieses Einvernehmen
begünstigt die Entstehung von Bildwerken, die ein Ereignis zugleich
dokumentieren und ausloten. Daher werden sie zu einer eigenständigen
synthetischen Leistung, zu einem Kunstwerk. Nicht selten sind die
Photographierten im Kontext ihrer Arbeit gezeigt, beim Arbeitsprozess im
Atelier oder vor einem abgeschlossenen oder entstehenden Kunstwerk. Seine einfühlende Wahrnehmungsweise, die er im Photographieren zu
bestätigen und im Photographierten zu bewahren sucht, hat Manfred Leve
dazu prädestiniert, jene Ereignisse zu dokumentieren, welche in den
fünfziger Jahren zur Entstehung neuer Kunstformen beitrugen. Manfred
Leve wurde der Zeuge und der genuine Interpret der flüchtigen Aktionen
und Performances der frühen Fluxus- und Happening-Bewegung, die aus
Darbietungen experimenteller Musik und experimentellen Theaters
hervorgegangen sind. Ihm verdanken sich planmäßig erfasste Bildserien,
Bildsequenzen und Suiten jener heute zu den paradigmatischen Ereignissen
der Kunstgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg gehörenden
Veranstaltungen. Nur durch ihn sind sie auch für die Anschauung der
Nachwelt wirkmächtig geblieben.