Christo
Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew in Gabrowo (Bulgarien) geboren. Mit sechs Jahren erhielt Christo seine ersten Zeichen- und Malstunden. Häufig besuchten Künstler der Akademie die Jawaschews und unterrichteten Christo, dessen künstlerisches Talent früh bemerkt wurde.
Christo hegte eine Vorliebe für das Theater und inszenierte in seiner Jugend Stücke von William Shakespeare. Hierbei wurde sein organisatorisches Talent deutlich. Christo wünschte sich, an der Akademie der schönen Künste aufgenommen zu werden. Dies gelang ihm 1953, doch er war enttäuscht, da von der kommunistischen Partei ein sozialistischer Lehrplan vorgegeben wurde und er sich nicht entfalten konnte. Anfang 1957 beschloss Christo zu fliehen. In Wien wurde er bei Freunden seines Vaters aufgenommen. Nach einem Semester an der Akademie der bildenden Künste Wien und einem Aufenthalt in Genf ging Christo schließlich nach Paris.
Christo lebte in ständiger finanzieller Not und verdiente sein Geld durch Porträtmalerei. Er besuchte viele Ausstellungen und Museen, wurde inspiriert von Joan Miró und vor allem von Jean Dubuffet. Im Januar 1958 verhüllte Christo seine erste Farbdose, indem er sie mit harzgetränkter Leinwand umgab, verschnürte und mit Leim, Sand und Autolack behandelte. Christo kennt den Grund für seine ersten Verhüllungen nicht. In gewisser Hinsicht spiegeln sie sein Selbstbild wider: Das Gefühl kultureller Isolierung, Traurigkeit und Armut. Christo war fasziniert von Paris und genoss seine Freiheit. Er mietete sich ein kleines Atelier und setzte das Arbeiten an seinen Verhüllungen fort.
Christo verdiente weiterhin nur wenig Geld mit seinen Porträtmalereien, die er als Prostitution bezeichnete. Später lernte er den deutschen Unternehmer und Kunstsammler Dieter Rosenkranz kennen, der einige seiner Verhüllungen kaufte. Als Christo Dieter Rosenkranz in Deutschland besuchte, schloss er Bekanntschaften mit einigen Künstlern, unter anderem Yves Klein. Außerdem lernte Christo den Kunsthistoriker Pierre Restany kennen. Seine Verhüllungen wurden von vielen Künstlern verkannt. Christo lebte noch immer in finanzieller Not und gesellschaftlicher Isolierung und hatte zudem Schwierigkeiten mit der französischen Sprache.
Jeanne-Claude wurde – am selben Tag wie Christo – am 13. Juni 1935 in Casablanca geboren. Jeanne-Claude wuchs zunächst bei der Familie ihres Vaters auf. Erst 1945 nach dem Krieg kam sie wieder in die Obhut ihrer Mutter. 1946 heiratete ihre Mutter Précilda den einflussreichen General Jacques de Guillebon. Zwischen 1945 und 1952 wohnte die Familie in Paris, zwischen 1952 und 1957 aus beruflichen Gründen von Jacques de Guillebon in Tunesien und ab 1957 wieder in Paris. Jeanne-Claude lebte in einer privilegierten Gesellschaft, ging auf viele Feiern und wurde von vielen Männern umworben. Sie erhielt einen Schulabschluss mit Auszeichnung und begann eine Ausbildung als Flugbegleiterin bei Air France. Sie starb am 18. November 2009 im Alter von 74 Jahren in New York an einer Hirnblutung.
Im Oktober 1958 erhielt Christo einen Auftrag für ein Porträt von Précilda de Guillebon. Christo und Jeanne-Claude sahen sich dadurch zum ersten Mal. Jeanne-Claude war im Gegensatz zu ihrer Mutter am Anfang nicht sehr begeistert von Christo. Doch ihrer Mutter gefielen die Porträts und sie erteilte Christo weitere Aufträge. Bald lernten sich Christo und Jeanne-Claude näher kennen und er erteilte ihr Lehrstunden in Kunstgeschichte, sie dagegen lehrte ihn ein besseres Französisch zu sprechen. Christo arbeitete indessen an seinen Verhüllungen weiter. Christo freundete sich mit Jeanne-Claudes Halbschwester Joyce an und verliebte sich in sie. Jeanne-Claude verlobte sich unterdessen mit ihrem Freund Philippe Planchon. Einen Monat vor der Heirat, nachdem sich Christo und Joyce trennten, verliebten sich Christo und Jeanne-Claude ineinander, doch die Heirat mit Philippe fand statt. Nach den Flitterwochen trennte sich die von Christo schwangere Jeanne-Claude von ihrem Ehemann. Zunächst verheimlichte sie ihre Schwangerschaft.
1959 widmete sich Christo mehr denn je seinen Verhüllungen, aber er änderte seinen Stil. Er beließ das Material so wie es war und behandelte es nicht mehr mit Leim und Sand. 1960 ließ er dann jegliche Bemalung weg und beendete somit seine Inventory-Reihe. Seine Verhüllungen waren eine „Offenbarung durch Verbergen“ (David Bourdon). Während sich die meisten Künstler die Unsterblichkeit erhofften, betonte Christo die Sterblichkeit durch seine vergänglichen Werke. Im Herbst besuchten Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely das Atelier von Christo. Christo schloss immer mehr Bekanntschaften mit immer mehr Künstlern. Die Liebe zwischen Christo und Jeanne-Claude war noch immer heimlich und am 11. Mai 1960 wurde ihr Sohn Cyril geboren. Als Jeanne-Claudes Eltern die Liebesaffäre bemerkten, waren sie entrüstet, da Christo aus niederen Verhältnissen stammte und versagten dem Paar jegliche finanzielle Unterstützung, so dass sie in Armut leben mussten, was für Christo allerdings kein neuer Umstand war.
1961 realisierten Christo und Jeanne-Claude ihr erstes gemeinsames Projekt, indem sie im Kölner Hafen zahlreiche vorgefundene Fässerstapel verhüllten. Die Eltern von Jeanne-Claude begannen sich langsam mit ihrer Tochter auszusöhnen und interessierten sich für ihr Enkelkind. Das Paar nahm 1962 das erste monumentale Projekt, den „Eisernen Vorhang – Mauer aus Ölfässern“, in Angriff. Hierbei wurde eine Seitenstraße an der Seine, die Rue Visconti, durch hoch aufgestapelte Ölfässer versperrt. Sie kommentierten damit den Bau der Berliner Mauer, überließen die Interpretation allerdings dem Betrachter. Trotz einiger Probleme mit den Behörden stapelte das Paar ohne eine Genehmigung am 27. Juni die Ölfässer aufeinander. Jeanne-Claude konnte die heranrückenden Polizisten hinhalten und davon überzeugen, die Fässer für einige Stunden stehen zu lassen. Anwohner und Verkehrsteilnehmer waren empört und verärgert. Am 28. November 1962 heirateten Christo und Jeanne-Claude. Sie waren immer noch sehr arm, aber sparten Geld für eine Fahrt nach New York, weil sich das Zentrum der Kunst zunehmend von Paris nach New York verlagerte.
Quelle: Wikipedia




